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Supplement - Unsere Meinung - Beitrag "Wirtschaftsminister aus der 2. Reihe"

Unsere Meinung

Wirtschaftsminister aus der 2. Reihe / 20. Februar 2009




 

Man stelle sich einmal den FC Bayern München vor, einen renommierten Fußballclub mit höchsten Ansprüchen. Kurz vor Ende der Saison, dem Ziel Meisterschaft entrückt, aber nicht entfernt, steigt der Abwehrchef aus. Und der Trainer Jürgen Klinsmann zieht aus der 2. Mannschaft den hoffnungsvollen, aber bundesliga-unerfahrenen Mittelfeldspieler nach oben, um diesen zu ersetzen. Man mag sich die Reaktion eines Franz Beckenbauer als Präsident des Vereins im Detail nicht vorstellen. Wenn ihm Jürgen Klinsmann dann als Begründung sagt, der Platzwart habe das bestimmt und es musste unbedingt ein Spieler mit fränkischen Wurzeln sein, dann haben wir eine Vorstellung davon, wie sich das Berliner Kabinett heutzutage zusammensetzt. Kompetenz? Fachwissen? Die/der Beste? Fehlanzeige! Laut Parteienproporz (es ist eine Kurzbezeichnung für Proportionalität = Verhältnismäßigkeit und bezeichnet damit die anteilsmäßige Beteiligung politischer Gruppierungen an Gremien, Regierungen und Ämtern) der großen Koalition durfte es nur ein CSU-Mann sein. Und laut CSU-Gebietsproporz, musste dem Franken Glos ein anderer Franke folgen. So wird heutzutage also große Politik gemacht. Mit einer solchen Argumentation könnte allerdings auch Alice Schwarzer zum Papst gewählt werden. ...was auch seinen Reiz hätte.

Okay, dass er keine Erfahrung im Bereich Wirtschaft hat, bedeutet nicht, dass er in dem Bereich nichts kann. Wenn es nicht gerade eine Wirtschaftskrise gäbe und wenn es sich nicht um das Amt des Bundeswirtschaftsministers handeln würde, würde man ihm ja auch Zeit zugestehen. Und eigentlich, seien wir ehrlich, viel Zeit, um es schlechter als ein Michael Glos zu machen, hat er nicht! Dass die CSU nach der nächsten Bundestagswahl noch mal das Wirtschaftsministerium besetzen darf, würde bedeuten, dass die große Koalition fortgesetzt wird. Und solche ein Horrorszenario wollen wir uns jetzt mal nicht vorstellen.

Michael Glos wurde oftmals als "Problembär" der großen Koalition belächelt. Selbst nie glücklich, da nicht gewollt, mit diesem Amt, war er von Anfang an nur die 2. Wahl nach Edmund Stoiber. Der hat sich ja rechtzeitig aufs Altenteil zurückgezogen, sicherlich nicht die schlechteste Idee. Der Herr Glos hätte ihm allerdings früher folgen sollen, dafür sind solche Ämter nun mal zu wichtig. In der "Hoch-Zeit" der Finanzkrise stellte Angela Merkel das Rettungspaket für die Banken vor. An ihrer Seite: Peer Steinbrück als Finanzminister. Okay, aber wo war der Wirtschaftsminister? Offensichtlich traute unsere Bundeskanzlerin ihrem Unionskollegen nicht viel zu. Dass der Finanzminister jetzt auch noch von der SPD ist, mag das Fass zum überlaufen gebracht haben. Leider war Herr Glos wohl zu leidensfähig.

Interessant auch die Choreographie des Abgangs. Erst die Boulevardpresse, dann der CSU-Vorsitzende und dann erst die Bundeskanzlerin, die immerhin die Kabinettshoheit hat! Das heißt, sie bestimmt, wer vom Bundespräsidenten als Minister entlassen werden soll. Aber da kam zu lange nichts aus dem Bundeskanzleramt, als dass hier nicht ein schaler Geschmack bleibt. Eine Angela Merkel wurde eigentlich von den Bürgern gewählt, um das Beste für Deutschland zu machen. Nicht um das Beste für die Union rauszuholen. Als Wähler fühlt man sich doch arg verschaukelt nach so einem Spiel!

Michael Siethoff

(Michael Siethoff ist zwar kein Mitglied des Bundesvorstandes oder Präsidiums, trotzdem haben wir seinen Text an dieser Stelle veröffentlicht.)


Unsere Meinung

Foto: Michael Siethoff


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