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Politik - Europawahl 2009 - Wahlprogramm - Atomkraft

12. Energiegewinnung in Europa - ohne Atomkraftwerke

Die alltäglichen Risiken von Kernkraftwerken:

Schon der Normalbetrieb von Kernkraftwerken hat Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Eine epidemiologische Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz im Jahr 2007 ergab eine signifikant erhöhte Leukämie-Rate bei Kindern in der Nähe (5 km) von Atomkraftwerken! Schon bei kleineren Störungen in den Sicherheitsmechanismen können größere Mengen radioaktiven Materials in die Umwelt und in die Nahrungskette gelangen. Die Risiken vervielfachen sich! Plutonium ist das tödlichste und langlebigste Material überhaupt.

Ein weiteres Problem – eine tickende Zeitbombe - sind die anfallenden radioaktiven Abfallprodukte, für die es bislang keine sicheren Endlager gibt. So sind z. B. in Deutschland über 100.000 Kubikmeter hochradioaktiven Materials zwischengelagert (Atommülllager Asse, Morsleben und Gorleben; Schacht Konrad ist als Endlager genehmigt, ohne dass bisher die letztendliche Eignung nachgewiesen wurde). Wie die Situation in "Asse II" zeigt, ist die radioaktive Verseuchung des Grundwassers nicht auszuschließen. Dies würde einer Katastrophe gleichkommen!

Zur Erinnerung - es gab Störfälle in Reaktoranlagen und Katastrophen durch die Kernenergie in Europa!

Sellafield: 1957 kam es in einem britischen Kernreaktor in Windscale (heute Sellafield) zu einem Brand, und eine Wolke mit radioaktivem Material wurde freigesetzt, die sich über Großbritannien sowie über das europäische Festland ausbreitete. Auf der siebenstufigen Internationalen Bewertungsskala für nukleare Störfälle wird der Reaktorbrand in Sellafield als Stufe 5 (Ernster Unfall) eingestuft.

Tschernobyl: 1986 ereignete sich der bislang schwerste Störfall in einem Kernkraftwerk. Block 4 der Reaktoranlage in Tschernobyl explodierte. Rund 1700 Tonnen Graphit (die Ummantelung des Reaktors) verbrannten, und erhebliche Mengen radioaktiver Nuklide gelangten in die Atmosphäre. Die Katastrophe wurde der Öffentlichkeit erst bekannt gegeben, als in Skandinavien stark erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen wurden. Die radioaktive Belastung in Weißrussland, in der Ukraine und in Russland ist bis heute dramatisch. Riesige Agrar-Gebiete sind für Jahrhunderte verseucht und die meisten Menschen in der betroffenen Region sind strahlenkrank. Von den Arbeitern und Soldaten, die zu Aufräumarbeiten und Baumaßnahmen am explodierten Reaktorblock 4 eingesetzt wurden, sind bis 2002 bereits 15.000 an den Folgen der Radioaktivität gestorben.

Ist denn die Katastrophe von Tschernobyl schon in Vergessenheit geraten?

Kann man weiter radioaktiven Abfall produzieren, ohne zu wissen, wo und wie dieser letztendlich zu lagern ist?

Alle Umweltschutz-Organisationen warnen zu Recht: Atom-Energie ist nicht sicher! In fast allen Reaktoren Europas wurden Störfälle bekannt, im AKW Forsmark, in den deutschen AKWs Brunsbüttel und Krümmel und in der französischen Atomanlage Tricastin.

Die Bevölkerung wird aber über solche Vorkommnisse nur informiert, wenn sie sich nicht mehr verheimlichen lassen. Dabei gibt es keinen wirksamen Schutz vor Radioaktivität. Ganz zu schweigen davon, dass AKWs nachweislich vor terroristischen Anschlägen nicht gefeit sind.

Unsere Forderungen:

Bereits zur Europawahl 2004 war unsere Forderung: "Sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie!" Im Jahr 2009, nachdem durch das Katastrophen-Szenario des Atommüll-Lagers "Asse II" ultimativ bewiesen wurde, dass die risikolose Endlagerung der tödlichen Fracht nicht gewährleistet werden kann, ist die Forderung nach dem umgehenden Ausstieg aus dieser hochgefährlichen Energiegewinnung umso mehr berechtigt.

Mit Besorgnis verfolgen wir die Absicht mehrerer EU-Staaten, den beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie wieder rückgängig zu machen. Es ist zu hoffen, dass nicht erst ein erneuter gravierender Störfall die Verantwortlichen zur Besinnung bringt!

Gerade auf diesem riskanten Feld muss Europa mit einer Stimme reden und weltweit Vorreiter bei der zügigen und konsequenten Umstellung auf die Nutzung erneuerbarer Energien werden.

Wir vertreten entschieden eine Politik, die auf Nachhaltigkeit setzt. Aus diesem Grund fordern wir die Aufhebung des Euratom-Vertrags, dessen Ziel die Förderung der Atomenergie ist. Auch atomare Brennstoffe (z.B. Uran) sind knappe Ressourcen, die in nicht allzu ferner Zeit erschöpft sein werden.

Unserer Auffassung nach wird eine umfassende Umstellung auf erneuerbare Energien immer dringlicher und erfordert eine massive Aufstockung der dafür notwendigen Gelder. Eine verantwortungsvolle EU-Energiepolitik bedarf der gezielten Forschung hinsichtlich erneuerbarer Energien, Effizienzsteigerung und Energieeinsparung. Nicht zuletzt werden auf dem Wege von Innovationen auf diesen Gebieten zahlreiche Arbeitsplätze entstehen!

Wir fordern mit Nachdruck eine Energiewende, deren Ziel die ausschließliche Verwendung von Windkraft, Wasserkraft und vor allem Solarenergie ist.


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